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FRANZ WEISMANN (1856 - 1938) der unbekannte Fotograf aus Linz

Franz Xaver Weismann wurde am 25. November 1856 in Linz geboren. Sein Vater Andreas war Lotse auf der Donau und stammte ursprünglich aus St. Marienkirchen (Bezirk Eferding). Nicht zuletzt deshalb trat Franz Weismann 1873 ebenfalls in den Dienst der 1. Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft, und arbeitete sich zum Leiter der DDSG-Niederlassung in Passau empor. Ab seinem 30. Lebensjahr (1886) ist er dort nachweisbar und bekam knapp 20 Jahre später (1907) hier auch das Heimatrecht, d.h. er wurde Bayer.

1892 hatte er in Passau Anna Maria Yberle geheiratet, welche ihm die Töchter Emmy (Emilie), Marianne und Sophie gebar, auf die Weismann sehr stolz gewesen zu sein scheint, denn sie tauchen auf ungezählten Motiven seiner fotografischen und malerischen Arbeiten auf.
Beruflich brachte er es bis zum Zentralinspektor und drei Jahre bevor er in den Ruhestand trat (1926), wurde er vom österreichischen Minister für Handel und Verkehr mit dem Titel Kommerzialrat geehrt, eine damals für „Ausländer“ sehr seltene Verleihung.
Neben dem Beruf galt seine Leidenschaft der Fotografie und der Malerei, in der er sich noch im hohen Alter von 64 Jahren zu vervollkommnen suchte, in dem er die Abendfachschule für Künstler in Passau absolvierte. Sein häufigstes Motiv war naturgemäß seine neue Heimatstadt, welche er umfangreich, sowohl auf fotografischen Platten als auch auf Leinwand und Aquarellpapier dokumentierte. In der Malerei lernte er von seinem persönlichen Freund, dem bekannten Historienmaler Ferdinand Wagner und von seinem Schwiegersohn, dem „Kunstmaler“ Eugen Siegler, welcher mit seiner ältesten Tochter Emmy verheiratet war, wobei Kunstmaler damals durchaus noch ein ehrender Begriff sein konnte.

Einige Beispiele in der Ausstellung zeigen, dass sich F. Weismann auch mit seinen Gemälden zeigen konnte, wie viele Passauer Ausstellungen zeigen, auf denen er vertreten war. Seine Werke befinden sich heute überwiegend in Privatbesitz, was darauf schließen lässt, dass er auch erfolgreich verkaufte. Nur ein kleiner Teil befindet sich im Besitz des Oberhaus-Museum in Passau. Ein unsigniertes davon war lange Zeit Aushängeschild und Publikumsmagnet des Hauses, weil es ein Fachexperte als Spitzweg-Gemälde identifiziert hatte. Es blieb einer seiner Töchter vorbehalten, den Irrtum aufzuklären und zum Bedauern der Museumsleitung aus dem Spitzweg wieder einen Weismann zu machen. Als solcher ist er in Linz nun zu sehen.

Im Gegensatz zum malerischen Nachlass haben sich mehr als 1000 Glasplattennegative (9 x 12 cm) im Familienbesitz erhalten, die der Fotografenmeister Michael Geins aus Passau auf Umwegen erworben und zu seiner Passion gemacht hat. Er ist deshalb auch als Neuent-decker von Franz Weismann zu bezeichnen. In entsagungsvoller Arbeit digitalisierte er die großformatigen Negative und retuschierte sie, um die Fotografien in Form von Digiprints auf Ausstellungen bekannt zu machen, ein Dienst an der Geschichte der Fotografie, denn die Arbeiten von Weismann zeichnen sich durch sehr hohe Qualität aus.
Die Motive der rund um 1900 entstanden Fotos sind vielfältig. Neben Darstellungen von Gebäuden, Landschaften und Städteansichten gibt es auch viele Familienfotos, insbesondere von den Töchtern und seinen Freunden.

Viele Bilder zeigen die Schifffahrt und allgemein das Alltagsleben am Wasser - vorwiegend an der Donau, aber auch an anderen Gewässern. Seine leitende Funktion bei der DDSG ermöglichte es ihm, alle seine Schiffe durch Flaggensignale in jene Position zu dirigieren, die eine möglichst effektvolle Darstellung sicherte. Ähnlich gruppierte er auch Personengruppen, ja selbst Kinder beim Spiel am Wasser, die in möglichst natürlicher Pose zu verharren hatten.
Viele Motive können als Dokumentarfotos angesprochen werden, in einigen sieht man jedoch die intensive Beschäftigung mit künstlerischer Fotografie, hauptsächlich dem Piktorialismus, wie z.B. Heinrich Kühn, durch Weichzeichnung, jedoch auch mit der Art der Porträtfotografie August Sanders.
Unter Ansichtskartensammlern sehr begehrt sind auch die in kleinen Auflagen vorhandenen Motive aus Passau.
Thomas Hackl

 

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