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Foto: Der Fall Ötzi

Der Fall Ötzi - Raubmord am Similaun

Ja, liebe Leser/Innen, ihre Augen haben Sie nicht getäuscht. Der blutrünstige Titel läßt zunächst nicht vermuten, daß damit ein archäologisches Thema aufgegriffen wird, das vor eineinhalb Dezennien weltweit für Schlagzeilen sorgte. Dieses Mal geht es nicht um die Auffindung einer Gletschermumie, sondern um ein Forschungsergebnis. Zuvor jedoch einige wenige Worte der Erklärung.
Mit der vorjährigen Ausstellung „Drehscheibe Linz – Steinzeithandel an der Donau“ sollte ein neuer Schritt hinsichtlich der Aufarbeitung von Funden aus den Ausgrabungen im Linzer Raum gesetzt werden: Ziel war es nämlich, ein sprödes, richtiger: hartes, schier unzerstörbares Material zum Gegenstand einer eigenen Exposition zu machen. Möglich wurde der Versuch nur durch die Mitwirkung eines ausgewiesenen Kenners der neolithischen Feuersteinbergwerke in Süddeutschland und Oberitalien und der Werkzeuge und Geräte aus diesem Material. In der Person des Geoarchäologen Alexander Binsteiner – er wirkte auch am „Ötzi-Projekt“ mit – steht nun dem Linzer Ausgrabungsteam ein Fachmann zur Verfügung, dem wesentliche Neuerkenntnisse zu verdanken sind. Und eben diese wurden in der oben genannten Ausstellung präsentiert.
 
Schneller als eigentlich erwartet oder geplant, findet der begonnene Weg nun seine Fortsetzung. Den Ausschlag dazu lieferten weitere intensive Untersuchungen an den Steinwerkzeugen und –geräten der Mondseekultur, deren Bedeutung im kupferzeitlichen Handelsnetz eine Neupositionierung erfährt und – so unglaublich das zunächst klingt – sogar ein Moment ins Spiel der Überlegungen einfließen läßt, das zur weltweit berühmtesten Gletschermumie, zum Mann vom Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen, bekannt unter der Bezeichnung „Ötzi“, führt und eine Verbindung von unserem oberösterreichischen Alpenvorland über die Gebirgspässe der Alpen bis zum Trentino in Südtirol und zur alpinen Kultur von Remedello südlich des Gardasees in Oberitalien herstellt.
Ein gleichsam elektrisierendes wie gewagtes Gedankengebäude, das A.Binsteiner (zusammen mit dem Unterzeichneten) Ende des Jahres 2006! vorstellte.
Die daraus resultierenden, sensationellen Folgerungen sollten möglichst schnell die Öffentlichkeit erreichen. Für längere Vorbereitungen zu einer größeren Ausstellung reichte die Zeit nicht mehr, außerdem stand der Ausstellungsplan des Nordico fest. Aber nach dem (einstigen) Motto „in Linz beginnt’s“ (- ich hörte es übrigens sogar in Damaskus in Syrien! -) mußte die oberösterreichische Landeshauptstadt den Anfang machen. Die Lösung wurde schließlich in der Form gefunden, daß wir uns zu einer Dokumentation entschlossen, die im Clubraum des Nordico das Geschehen am Similaun Zug um Zug nachvollziehbar macht.

AUSGEWÄHLTE FUNDE
aus der Studiensammlung des Instituts für Ur–und Frühgeschichte der Universität Wien – sie werden in einer Ausstellung erstmals gezeigt – führen in den Bereich der Mondseekultur, die „Ötzi-Ära“, und ergänzen die bildlichen Erläuterungen.

„DER FALL ÖTZI – RAUBMORD AM SIMILAUN“ – so lautet nun der für den Unbedarften reißerische, für die Fachwelt vermutlich provokant klingende Titel der überraschend schnell entstandenen Dokumentation, in der außer der Röntgenaufnahme auch das Computertomographiebild – beide lassen die todbringende Pfeilspitze im Ötzi deutlich erkennen – zum ersten Mal und exklusiv zu sehen sein wird.

ERWIN M.RUPRECHTSBERGER
Weitere Hinweise zur Doku „Der Fall Ötzi…“
Dauer: 16. Februar – 1.April 2007 (kein Aprilscherz)
Ort: Clubraum des Nordico
Eintritt frei