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ALFRED BILLY - Vom Steindruck zur künstlerischen Lithographie

Vielen Künstlern und Kennern von Druckgraphik ist Alfred Billy sicher ein Begriff. Zum einen sind es ehemalige Studenten an der heutigen Kunstuniversität in Linz, die durch seine fachkundige Schule gegangen sind, zum anderen sind es freischaffende Künstler, die in seiner Werkstatt gedruckt, sowie an Druckgraphik Interessierte, die eines seiner unzähligen Seminare besucht haben. Der Tätigkeitsbereich des heute 86-Jährigen war und ist vielfältig.

Im Jahr 1920 in Linz geboren, absolviert Alfred Billy eine Lehre als Steindrucker in der Druckerei Draschny. Bald nach dem 2. Weltkrieg beginnt er in der Druckerei Waltl-Weigl zu arbeiten, die er bis 1951 als Technischer Leiter führt. Dort entsteht in der heute vom Offset-Druck verdrängten Technik des Steindruckes Massenware in Farbe, darunter Verpackungen für die Linzer Lebensmittelindustrie u.a. Tietze-Feigenkaffee, Neapolitanerschnitten von Gerhardinger, Werbeplakate für den Tourismus, Wahlplakate oder auch die damals so beliebten Heiligenbilder.

Alfred Billy nimmt das Angebot an, an der Kunstschule der Stadt Linz zu unterrichten, er wird Werkstättenleiter und lehrt bis 1983 nunmehr an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Druckgraphik und Typographie. Neben seiner Lehrtätigkeit gestaltet und druckt er zahlreiche Plakate für Linzer Kulturveranstaltungen, im Besonderen für Ausstellungen in der Neuen Galerie, sowie Urkunden für Ehrenringe und Ehrenplaketten der Stadt Linz. Ab dem Jahr 1985 leitet er die Werkstätte für künstlerische Lithographie und Radierung auf Schloss Sigharting/OÖ.
Seit den 60er Jahren arbeitet Alfred Billy mit zahlreichen renommierten Künstlern, wie Hans Staudacher, Jürgen Messensee, Bernhard Luginbühl u.v.a. zusammen, die er in seiner Werkstatt von ihm bei ihrer Arbeit technisch betreut werden. Immer wieder bleibt ihm etwas Zeit, selber künstlerisch tätig zu sein und zu experimentieren. So entstehen neben eigenständigen lithographischen Arbeiten Blätter, hergestellt in einem der Collage ähnlichem Verfahren, umgesetzt auf die Technik der Lithographie, von Billy als "Makulaturgraphik" bezeichnet. Weiters entwickelt er eine Laviertechnik auf Umdruckpapier, eine Gravurtechnik auf Stein und experimentierte mit Drucken auf Gummitüchern.

Vor nunmehr 21 Jahren ist Prof. Alfred Billy in Pension gegangen, was nicht heiflen soll, er wäre untätig geworden, nach wie vor leitet er zahlreiche Seminare und ist Tag für Tag in seinem Atelier zu finden.

Die Ausstellung soll anhand der Persönlichkeit und Biografie des Druckers und Lithographen Billy, der eine ganze Generation von Kunststudenten geprägt hat, eine kunst- und kulturhistorisch hochinteressante Entwicklung aufzeigen. Zahlreiche Beispiele verdeutlichen wie der noch in der Zwischenkriegszeit in den Druckereien gebräuchliche und den Alltag bestimmende Steindruck allmählich an Bedeutung verloren hat und diese beinahe in Vergessenheit geratene Technik ihren Platz in der künstlerischen Lithographie gefunden hat.