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Fokussiert - Frühe Fotografien aus dem Nordico - Museum der Stadt Linz

Die Sammlung Pachinger

8. Mai – 8. Juli 2007
Ausstellungseröffnung: 7. Mai 2007


Die Ausstellung „Fokussiert“ präsentiert erstmals die Fotosammlung des Linzer Polyhistors Anton Maximilian Pachinger (1864–1934). Der kunst- und kulturhistorisch äußerst vielseitig interessierte Privatsammler hat sich im ausgehenden 19. Jahrhundert als einer der Ersten im deutschsprachigen Raum historischen Fotografien zugewandt. Mit ästhetischem Feingefühl und kulturwissenschaftlicher Weitsicht hat er eine qualitativ beachtliche Belegsammlung früher fotografischer Techniken zusammengetragen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dabei den faszinierenden Unikaten der Daguerreotypie.

Diese ersten fotografischen Bilder auf versilberten Kupferplatten fesseln in ihrer enormen Detailgenauigkeit, Unmittelbarkeit und beinahe plastischen Anmutung auch heute noch. Schier überwältigend muss ihre Wirkung auf Zeitgenossen gewesen sein, die nie zuvor Bilder von vergleichbarem Authentizitätseffekt gesehen hatten. 1839 wurde das nach Louis Jacques Mandé Daguerre (1787–1851) benannte Verfahren von der Französischen Akademie der Wissenschaften öffentlich bekannt gegeben. Architekturaufnahmen und Kunstreproduktionen stellten aufgrund der noch langen Belichtungszeiten anfangs die zentralen Bildgenres dar. Dank rasch entwickelter technischer Verbesserungen war es spätestens ab 1841 möglich, auch bewegte Motive festzuhalten.

Vor allem das aufstrebende Bürgertum fand in der kostspieligen Daguerreotypie ein ideales, da exakt aufzeichnendes Porträtmedium. Gewünscht und produziert wurden repräsentative Bildnisse, die den Einzelnen – im Spiegel seiner äußeren Erscheinung – als unverwechselbares, einzigartiges Individuum darstellten. In den zahlreichen Porträts der Sammlung Pachinger spiegelt sich das neue Selbstbewusstsein eines gehobenen Bürgertums, das Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend an ökonomischer, politischer und kultureller Bedeutung gewann.

Die Porträtfotografie, deren Entwicklungsgeschichte Anton Maximilian Pachinger von der Daguerreotypie bis zur Carte-de-Visite verfolgte, stellt sowohl einen Sammlungs- wie Ausstellungsschwerpunkt dar. Die Schau spannt somit einen Bogen vom elitären Bildprodukt der Daguerreotypie bis zur ersten Popularisierung des Mediums durch die Visitkartenfotografie, die Ende der 1850er Jahre modischer Massenartikel wurde. Die Sammlungspräsentation „Fokussiert“ stellt einzigartige Zeugnisse aus der Pionierzeit der Fotografie vor, darunter zwei überaus seltene „Fotogenische Zeichnungen“ von Johann Carl Enslen aus dem Jahr 1839/40 sowie die älteste, vor 1841 entstandene Daguerreotypie des Heidelberger Schlosses. Mit den frühesten erhaltenen Fotoporträts des Dichters Adalbert Stifter und seiner Gattin Amalie Mohaupt werden zwei weitere, sowohl foto- wie literaturhistorisch bedeutende Inkunabeln präsentiert.

Ein eigener Ausstellungsbereich ist den nahezu expressiven Künstlerbildnissen des Münchner Fotopioniers Alois Löcherer gewidmet. Die rund 40 erhaltenen Künstlerporträts der Sammlung Pachinger vermitteln einen Einblick in das Frühwerk des bedeutendsten deutschen Kalotypist. Insgesamt umfasst die Schau rund 140 Originalobjekte aus der Zeit von 1839 bis 1860, darunter Werke so renommierter Fotografen wie Wilhelm Horn (Prag), Hermann Krone (Dresden), Anton Edler (München), Carl Ferdinand Stelzner (Hamburg), Jacob Seib (Frankfurt), Franz Hanfstaengl (München), Carl Durheim (Bern), Auguste Belloc (Paris) oder Mathew B. Brady (New York). Beim Großteil der im Rahmen von Ausstellung und Begleitpublikation veröffentlichten Arbeiten handelt es sich um Erstpräsentationen. Mit „Fokussiert“ gilt es also die historische Fotokollektion eines ebenso genialen wie skurrilen Privatsammlers zu entdecken.

Gabriele Hofer

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog:
Gabriele Hofer, Fokussiert. Frühe Fotografien aus dem Nordico – Museum der Stadt Linz. Die Sammlung Pachinger. Mit einem Beitrag von Andreas Gruber, ca. 200 Seiten, ISBN 3–85484–090–91 Sonderpreis während der Ausstellung € 20,-

 

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