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Kunst­ge­nuss Essen
Von der Lin­zer Tor­te bis zur Bosna

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  • Ausstellungsansicht, Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte bis zur Bosna, 2014-2015
  • Ausstellungsansicht, Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte bis zur Bosna, 2014-2015
  • Ausstellungsansicht, Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte bis zur Bosna, 2014-2015
  • Ausstellungsansicht, Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte bis zur Bosna, 2014-2015
  • Ausstellungsansicht, Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte bis zur Bosna, 2014-2015
  • Ausstellungsansicht, Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte bis zur Bosna, 2014-2015

Rie­sen-Erd­äp­fel als Skulp­tur, Käse und Scho­ko­la­de an die Wand gehängt, eine Küche aus Draht als plas­ti­sche Zeich­nung, saf­ti­ge Früch­te, üppi­ge Spei­se­res­te, tan­zen­de Würs­te, Rezep­te zum Kunst­werk erho­ben und gemein­sa­mes Essen und Kochen als neue Kunst­form – Essen aus einem neu­en Blick­win­kel betrach­tet. Essen ist Lebens­not­wen­dig­keit, es ver­bin­det den Men­schen auf ele­men­tars­te Wei­se mit der Welt, es ver­ge­gen­wär­tigt den ewi­gen Zyklus von Leben und Tod. Essen ist aber auch als sozi­al nor­mier­te und kul­tu­rell gepräg­te Hand­lung fun­da­men­ta­ler Bestand­teil gesell­schafts­po­li­ti­scher Pro­zes­se wie reli­giö­ser Riten. Als Teil unse­rer kul­tu­rel­len Iden­ti­tät ist Essen daher seit jeher eine Inspi­ra­ti­ons­quel­le für krea­ti­ves Schaf­fen.

Die vir­tuo­se male­ri­sche Wie­der­ga­be von Ess­ba­rem war seit dem 16. Jahr­hun­dert dem Still­le­ben vor­be­hal­ten. Saf­ti­ge Früch­te, pral­les Gemü­se und üppi­ge zum Ver­zehr ange­rich­te­te Spei­sen die­nen aber nicht nur dem Augen­schmaus, son­dern sym­bo­li­sie­ren im meta­pho­ri­schen Sinn Kör­per­lich­keit und Leben, Ver­gäng­lich­keit und Tod. Die die­sem Ver­fall inne­woh­nen­de Schön­heit ver­deut­li­chen die Foto­gra­fien toter Schwei­ne von Madame d’Ora eben­so wie die Abfall­bil­der von Fren­zi Rigling.

Seit den 1960er Jah­ren ist Essen nicht mehr nur Dar­stel­lungs­ge­gen­stand, son­dern wird zum Kunst­mit­tel, sei­ne Ver­ar­bei­tung und Bear­bei­tung zum künst­le­ri­schen Pro­zess und sei­ne Zube­rei­tung zur Kunst­ak­ti­on. Auf sei­ne Sym­bol­kraft im christ­lich reli­giö­sen und im mytho­lo­gi­schen Kon­text ver­weist der Wie­ner Aktio­nis­mus, wäh­rend Valie Export in ihren Aktio­nen Fra­gen nach Frucht­bar­keit, Geburt und Ver­gäng­lich­keit in den Mit­tel­punkt rückt.
Als eige­ne Kunst­rich­tung pos­tu­liert die Eat Art die Ein­heit von Kunst und Leben“. Dani­el Spo­er­ris Fal­len­bil­der – abge­ges­se­ne Tische als Tafel­bild an die Wand gehängt – visua­li­sie­ren die­sen Schnitt­punkt zwi­schen Natur und Kul­tur. Die­ter Roth ver­deut­licht das Pro­zess­haf­te allen Seins, indem er Ess­ba­res der Ver­we­sung und Zer­set­zung preis­gibt. Für Peter Kubel­ka ist das Kochen nicht nur ein bil­den­der Pro­zess wie ande­re Küns­te, son­dern bei­des: Unmit­tel­ba­res Ein­grei­fen in die Natur und künst­le­risch bil­den­der Prozess“.

Aktu­ell wer­fen Künst­le­rin­nen und Künst­ler Fra­gen zum Ess­ver­hal­ten der Gegen­wart auf, das von zuneh­men­der Ent­frem­dung des Men­schen vom Ursprung sei­ner Nah­rungs­res­sour­cen bestimmt ist. Robert F. Ham­mer­stiel ent­larvt in sei­nen Plas­tik­still­le­ben Ersatz­wel­ten und Wunsch­pro­jek­tio­nen der Wer­bung, wel­che die Suche der Men­schen nach einer hei­len Welt bedie­nen und Lisl Pon­ger the­ma­ti­siert Ter­min­ge­schäf­te und die Spe­ku­la­ti­on mit Nah­rungs­mit­teln als Bedro­hung der Lebens­zu­kunft vie­ler Men­schen.

Essen ist seit jeher Mani­fes­ta­ti­on kul­tu­rel­ler Zuge­hö­rig­keit, die ihren Aus­druck in bestimm­ten, für eine Regi­on typi­schen Spei­sen fin­det, wie etwa der Lin­zer Tor­te. Essen ver­mag aber auch im Gegen­zug als Kata­ly­sa­tor für die Inte­gra­ti­on frem­der kul­tu­rel­ler Ein­flüs­se die­nen, wie die Geschich­te der Bos­na und die Video­por­träts von Lin­zer Märk­ten anschau­lich illus­trie­ren.

Die Aus­stel­lung zeigt rund 100 Wer­ke von 1900 bis heu­te aus den Bestän­den des Lentos Kunst­mu­se­um, des Nordico Stadt­mu­se­um, aus zahl­rei­chen Gale­rien und Pri­vat­samm­lun­gen sowie Wer­ke, die in Zusam­men­ar­beit mit der Kunst­uni­ver­si­tät Linz (Bereich Male­rei und Gra­fik, Klas­se Ursu­la Hüb­ner) ent­stan­den sind. Die­se Band­brei­te künst­le­ri­scher Posi­tio­nen ver­deut­licht die bestän­di­ge Rele­vanz der Grund­sub­stanz Nah­rung als Ver­bin­dungs­glied von Kunst und Leben.

Kura­to­rin: Sabi­ne Fell­ner
Aus­stel­lungs­ar­chi­tek­tur: Cle­mens Bauder

Vide­os

Nordico: Kunstgenuss Essen. Von der Linzer Torte

diekoenigin: Der Geschmack explodiert, 2014

Marktporträt: Grünmarkt Linz, 2014

Marktporträt: Hauptplatzmarkt Linz, 2014

Marktporträt: Südbahnhofmarkt Linz, 2014

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